Im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung des Freundeskreises Heimathaus standen neben einer Vor- und Rückschau Neuwahlen sowie ein Referat des Vorsitzenden Hubert Steiner über „das Jahr ohne Sommer“ von 1816.
Steiner begrüßte neben den Mitgliedern Bürgermeister Stefan Reichelt und Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika auch die beiden Gemeinderäte Heinz Wallner und Sebastian Heller zur von ihm zum 34. mal geleiteten Generalversammlung persönlich. Beim Totengedenken erinnerte Hubert Steiner an die im vergangenen Jahr verstorbenen langjährigen Vereinsmitglieder, den „Denglhamer“ Franz Wiesholler sowie Jürgen Oestreich, Evelyn Amann und den am Tag vor der Jahreshauptversammlung verstorbenen stellvertretenden Vorsitzenden Heinrich Hunglinger.
Franz Gschwendner stellte detailliert den Kassenbericht vor, der von Kassenprüfer Engelbert Lohner als „in bester Ordnung geführt“ beschrieben wurde. Entsprechend einvernehmlich fiel die Entlastung des Vorstands durch die anwesenden 24 Mitglieder aus. Die Neuwahlen unter Wahlleiter Stefan Reichelt fielen alle einstimmig aus. Vorsitzender bleibt Hubert Steiner, dessen Stellvertreter ist nach dem Todesfall von Heinrich Hunglinger Andreas Beer. Neuer Schriftführer für den nicht mehr kandidierenden Alex Bonhag ist Arno Zandl, die Kasse führt weiterhin Franz Gschwendner, geprüft wird die Kasse weiterhin von Engelbert Lohner. Als Beisitzer wurden Conny Karrasch, Silvia Rachl-Hees, Wolfgang Fischer, Konrad Kecht und Diether Endlicher bestätigt.
Fällig wurde eine Satzungsänderung, die von der Mitgliederversammlung ebenfalls einvernehmlich abgesegnet wurde. Künftig soll zur Jahreshauptversammlung die Bekanntgabe in den Chieminger Nachrichten reichen, um das Porto für Einladungen zu sparen. Mitglieder, die ihre Email-Adresse hinterlegt haben, erhalten auch per Mail aktuelle Informationen über anstehende Veranstaltungen, so Steiner. Vereinfacht soll künftig auch das Wahlverfahren der Vorstandschaft per Akklamation möglich sein, sofern nicht ein Drittel der Mitglieder dagegen stimmt.
Hubert Steiner gab einen Überblick über die Veranstaltungen und Aktivitäten des vergangenen Jahres und blickte auf das Programm von 2025 voraus. Das Vereinsjahr begann traditionell mit dem Hoagart am Heilig Dreikönigstag. Nach der Jahreshauptversammlung im März folgte der Heimat-Erlebnistag im Mai. Neben einem musikalischen Frühschoppen wurde Bauernkost in Form von Bohnensuppe, Bauernbrot mit Schmalz sowie Schmalznudeln und Kaffee in dr Bauernstube des Heimatmuseums angeboten. In mehreren Führungen durchs Museum wurde der Alltag von Bauernleben und -arbeiten vom Vorsitzenden veranschaulicht. Dank richtete Steiner in diesem Zusammenhang an alle Helfer, die Speisen gekocht, gebacken und den Gästen serviert haben.
Das Highlight des Jahres war einmal mehr der musikalische Spaziergang „Aufgspuit am Chiemsee“, der im vergangenen Jahr bei bestem Juni-Wetter Tausende von Besuchern angezogen hat. Auch das Bayerische Fernsehen mit Moderatorin Susanne Wiesner war anwesend und hat in der November- Sendung „Z`sammgspuit auf den Chiemseeinseln“ über die Veranstaltung im Fernsehen berichtet. Hubert Steiner dankte dem Veranstaltungsteam Lisbeth Genhammer, Bärbel Baumgartner, Irmi Wallner und Thomas Schlicht für die Organisation rund um die Großveranstaltung. „Die Kosten und Verpflegung für über hundert Musikanten konnte durch Sponsoren und Sammelgeld aufgebracht werden“, so Steiner.
Im August bot Hubert Steiner mit Erlaubnis der Schlossbesitzer einen Abend mit erzählten Schlossgeschichten im Garten des Chieminger Schlosses an. Der Besucherstrom mit über 150 Interessierten übertraf alle Erwartungen. „Von Bernd Nitschke wurden einige Beiträge als Film festgehalten, die auf der Website des Heimatvereins abrufbar sind“. Die Homepage des Vereins wurde neu strukturiert, um alle Medien und Publikationen leichter zu finden und das Heimathaus wurde der Musikschule für Vorspielabende und dem Gartenbauverein für deren Veranstaltungen zur Verfügung gestellt, sagte der Vorsitzende. Ab Juni gab es elf Dorf- und fünf Museumsführungen, auch mit Unterstützung der Römerführerin Claudia Lorenz-Berthold. Sogar die Chieminger Lehrer und ein Integrationskurs ukrainischer Flüchtlinge zählten zu den Interessierten, sagte Steiner.
Von Juni bis September 2025 finden wieder historische Dorfführungen und Führungen zur Entwicklung der Sommerfrische statt. Auch Geschichten im Schlossgarten sind wieder geplant. Mittlerweile konnten die ersten von etwa 650 Dias digitalisiert und in die von der Gemeinde erworbene Datenbank „Topothek“ eingepflegt werden. Eine Info-Tafel in der Pfarrkirche soll um drei Votivbilder mit Texten erweitert werden. „Zur Kostenübernahme hat sich der Verkehrsverein bereit erklärt“, erwähnte Steiner. „Aufg`spuit am Chiemsee“ steht in diesem Jahr am 29. Juni auf dem Terminkalender.“
Bürgermeister Reichelt nahm in seinem Grußwort Bezug auf die vielfältigen Aktivitäten des Heimatvereins und sagte Dank allen im Verein und Vorstand, die Verantwortung übernehmen, um die Geschichte Chiemings zu bewahren und für ein aktives Vereinsjahr sorgen. Die von der Gemeinde finanzierte „Topothek“ sei ein geeignetes Online-Archiv, das für Rechtssicherheit im Datenschutz steht und für die Veröffentlichung von Bildern und Dateien optimal geeignet ist. Josef Wiesholler dankte als Vorsitzender des Gartenbauvereins für die Nutzung des Gewölbesaals und wollte wissen, wie eine angebrachte Hoftafel bei der Hofübergabe um die neuen Daten zu erweitern sei. Das sei einfach zu organisieren, sagte Steiner, weil die alten Daten gespeichert sind und nur aktualisiert werden müssen. Eine neue Bedruckung des Schildes koste etwa 50 Euro. Auch Heinz Wallner vom Verkehrsverein sprach seinen Dank für die gute Zusammenarbeit aus und sagte dem Heimatverein einen finanziellen Zuschuss der Sommerfrische-Stiftung zu. Dr. Soika würdigte den Heimatverein mit seinen neuesten technischen Anwendungen und vielseitigen Angeboten als vorbildlich im Landkreis.
Im Anschluss referierte Hubert Steiner über „das Jahr ohne Sommer“, bedingt durch den Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien am 12. April 1815. Der Vulkanausbruch gilt als der global schwerwiegendste seit 22000 Jahren und hatte weltweit Konsequenzen. Nicht nur, dass die Höhe des Vulkans von 4300 Metern auf 2850 Meter geschrumpft ist und aufgrund von Sturmfluten, Hunger und Krankheiten 180000 Personen ums Leben kamen. Wegen der Verdunkelung der Sonne veränderte sich das Klima derart, dass in zahlreichen europäischen und amerikanischen Staaten Ernteausfälle, Hungersnöte und Wirtschaftskrisen ausbrachen. Viele Menschen in den betroffenen Gebieten beschlossen auszuwandern. Durch die Ernteausfälle kam es zu einem starken Anstieg der haferpreise und in der folge zu einem starken Rückgang des Pferde- und Nutztierbestandes. Dies führte zur schlimmsten Hungersnot im 19. Jahrhundert. „Die Getreide- und Hackfruchternte ging durch das nasskalte Wetter im Jahr 1816 im Jahr 1816 bis auf ein Drittel zurück. Die Getreidepreisestiegen in Bayern stiegen schnell um das Dreifache. Auf die Hungerkrise reagierte die bayerische Regierung unter Montgelas nur langsam. Sein zögerliches verhalten war der Anlass für seine spätere Absetzung“, so der Referent. „Um zu geordneten Preisen zurückzukehren, wurden 1817 im Königreich Bayern einheitliche Preise in Gulden (fl) und Kreuzer (kr) für alle Güter aus der Landwirtschaft und des täglichen Verbrauchs festgelegt. In Deutschland wurde der Chemiker Justus von Liebig durch die Erinnerung an die Hungersnöte zu Untersuchungen über Bedingungen des Pflanzenwachstums angeregt. So entwickelte er die organische Düngung, die zu einer Steigerung der Erträge in der Landwirtschaft führten“, erläuterte Hubert Steiner.
Bericht von Arno Zandl